I am from Kärnten, das Leben aus einer etwas anderen Sichtweise – Teil 2: What’s going on?

Here we go again, ein Wochenende in meinem geliebten Heimatland, gibt mir die passende Gelegenheit, die Ereignisse des letzten Jahres etwas aufzurollen. 200km sind es gerade einmal von Graz nach Villach, man würde es kaum glauben, was für ein menschlicher Unterschied auf einer so kleinen Strecke enstehen kann. Durch das “Lofntol” führend, über die Lindwurmstadt fahrend, landete ich gestern, erschöpft von einer durch Regen geprägten Autofahrt, in Lei-Lei-Stadt, auch Villach genannt. Und man merkt sofort, irgendetwas ist hier anders, andere Menschen, andere Ansichten, anderes Wahlverhalten…

Als vor über einem Jahr Jörg Haider in den alkgetränkten Tod fuhr, gab es einen kollektiven Weltunterang in Kärnten. Weinende Jugendliche, zusammenbrechende Pensionisten, alle trauerten. Alle? Nein! Es gab noch ein paar tapfere Kämpferlein, die gegen den Rechtsruck und somit auch gegen den Haiderwahn waren und auch noch sind. Diese Personen werden im Kärntnerischen “Heimatsverräter”, oder im Volksmund auch “linke Vollwappler” genannt.

Nun ja, ich habe mich im letzten Jahr schon an Diskriminierungen auf Grund meiner politischen Ansichten gewöhnt, wenn man aus einem etwas gemäßigterem Gebiet von politischen Ansichten aber wieder nach Haidergra… Ähhhm… Kärnten zurückkommt, merkt man noch stärker, dass die Uhr hier leicht anders tickt. Kommt vielleicht daher, dass die Zeit vor einem Jahr bekanntlich stehen geblieben ist und das Stermann & Grissemann Uhrenpaket die Zollkontrolle an der Pack nicht heil überstanden hat.

Zur Wahl hin wurden die Fronten noch verhärteter als gewohnt. Dörfler’s Negerwitze konnten das Kärntner Herz im Sturm erobern und das BZÖ raste mit 1,8 Promille Vorsprung zu einem überlegenen Wahlsieg. Da hat der Jörg wohl vom Himmel auf uns heruntergeschaut, passen seine “Bubis” nun fünf weitere Jahre auf sein geliebtes Kärntnerland auf. Kärnten, das erste Gebiet der Welt, das einen Toten zu ihrem “Anführer” wählt. Naja, OK, das erste Gebiet, in welchem der lebende Gegenkandidat kein zukünftiger republikanischer Minister ist…

Nichtsdestotrotz, die derzeitige Lage Kärntens gibt den 44% BZÖ-Wählern absolut recht(s)! Die Schulden des Landes sind die Höchsten ganz Österreichs, Sozialleistungen werden gestrichen, dafür haben wir aber ein schönes, vom Verwendungszweck gesehen fragwürdiges, Fußballstadion und einen Landeshauptmann, der lieber auf Landeskosten Urlaub macht als auf Gedenkveranstaltungen nationalsozialistischer Opfer zu gehen. Landeshauptmann-Stellvertreter Uwe Scheuch war zu gleicher Zeit übrigens neugeborene Aasgeier besuchen.

Mit den Ortstafeln geht auch nicht viel weiter. Nachdem ja ohne Zweifel klar ist, dass Haider nur gestorben ist, weil auf der Geschwindigkeitsbegrenzung der 80er auf Slowenisch stand, sind die Fronten weiter verhärtet. Nun ja, verleugnen wir halt weiter die Herkunft eines großen Teiles unserer Kultur. Sind ja auch alle Kärntner komplett Deutsch stämmige Menschen. Da wird man direkt stolz auf die offen präsentierte slowenische Abstammung seines Namens. Ein Hoch auf Logar!

Genug für heute, nächstes Mal geht es weiter mit der Kärntner Volksseele.

Und vergesst bitte schnell: I am from Kärnten!

3 Antworten zu I am from Kärnten, das Leben aus einer etwas anderen Sichtweise – Teil 2: What’s going on?

  1. bist du deppat is des geil!! hab mich grad kaputt glacht bei dem blog… du bist echt da chefsatiriker/zyniker!! fetten respect und two thumbs up!!

  2. Höchst spannendes und amüsantes Thema hast du dir da ausgesucht. Wie du schreibst, erschließt sich mir und sicher auch vielen anderen der Haider-Kult in Carinthia in keinster Weise.
    Eine Korrektur sei mir aber gestattet: Das Stadion in Klagenfurt wird sehrwohl benutzt. Und zwar vom SK Austria Kärnten (formerly known as “Neu-Pasching” – da ja der Jörgi sich die Lizenz von den OÖern gekauft hat). Im nächsten Jahr soll auch ein Eishockeyderby zwischen dem KAC und dem VSV im Wörtherseestadion stattfinden.
    Wie sinnvoll allerdings diese Investition war, fragt man sich vielleicht spätestens wenn die Schinkels-Truppe heuer absteigt.

  3. @Andi: Stimmt, da kann ich dir nur recht geben, danke für die Info, werd das noch korrekt bearbeiten.

    Und zum Thema, wie es zum Haiderkult in Kärnten gekommen ist, werde ich sicher noch einige meiner nächstes Entries verwenden. Dieser erste Eintrag ist einmal vorwiegend als satirische Einführung zum Thema gedacht.

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